Hexe Hillary
...in dem köstlichen Hexenreigen reiht sich ein kleines Highlight an das nächste. Ohne Hast und trotzdem fesselnd wird hier eine witzige, herrlich verdrehte Geschichte gesponnen. Die unkonventionelle, erfindungsreiche und virtuos kindgerechte Inszenierung von Christiane Lutz (Ausstattung Nina Ball, Dramaturgie Maria Schneider) wurde vom Premieren-Publikum groß gefeiert. (...) Ein reines Vergnügen (...) auch für große Zuschauer. Augsburger Allgemeine
Zauberhaft verzaubert: Selten macht Oper für Kinder so viel Sinn! (...) Irgendwo zwischen „Bibi Blocksberg“, „Harry Potter“ und „Adams Family“ ist Christiane Lutz´ „Hexe Hillary“ anzusiedeln, ein musikalisches Doku-Märchen mit magischen Reizen. Köstlich und komisch ihre Umsetzung (… ) Augsburg Journal, wis
Das alles nimmt Wildfang Hillary selbstverständlich - nur nicht die Opernkarten, die sie gewonnen hat. Sie weiß gar nicht, was eine Oper ist.
Das herauszufinden ist der Inhalt des 70-minütigen, erfolgreichen Lehrstücks von Peter Lund, das Kindern die große Unbekannte „Musiktheater“ häppchenweise nahe bringt. Leerläufe gibt es hier nicht, aber auch keinen fühlbaren Höhepunkt. Vielmehr knüpft sich in dem köstlichen Hexenreigen ein kleines Highlight an das nächste. Ohne Hast und trotzdem fesselnd wird hier eine witzige, herrlich verdrehte Geschichte gesponnen. Die unkonventionelle, erfindungsreiche und virtuos kindgerechte Inszenierung von Christiane Lutz (Ausstattung Nina Ball, Dramaturgie Maria Schneider) wurde vom Premieren-Publikum groß gefeiert.
Als wundervoll kindlicher Wildfang mit tollem Mienenspiel verkörpert Lilian Mazbouh als rotmähnige Hexe Hillary die Fragen der kleinen Zuhörer. Vornehmer und mit bewundernswerter Stimmkunst erklärt die aus der Badewanne herbeigefaxte Sängerin Maria Bellacanta (Cathrin Lange) der chaotischen Zauber-Kollegin das Rätsel Oper mit Engelsgeduld und Hörbeispielen von Pamina bis zur Königin der Nacht. Perfekt begleitet wird sie dabei von Arturo (Eberhard Fritsche), Kreuzung zwischen Quasimodo und Frankenstein mit vier Händen. Zwar war die Bühnenschräge für die Akteure nicht ohne Tücken. Aber ein reines Vergnügen ist „Hexe Hillary geht in die Oper“ trotzdem - auch für große Zuschauer.
Dicht gedrängt saßen Klein und Groß im Theater, wo die Premiere von „Hexe Hillary geht in die Oper“ über die schräg abfallende Bühne ging. Regisseurin Christiane Lutz inszeniert die schwäbische Fassung der kleinen Hexe mit Musik von Peter Lund.
Zwischen Totenschädeln und Teetasse, Einhorn und Volksempfänger (Ausstattung: Nina Ball) gewinnt Hillary bei der Radiosendung „Kultur für Kurze“ zwei Opernkarten. So recht kann die rothaarige Göre im Petticoat damit aber nichts anfangen. Ja, für einen „hinterhältigen Verein“ hält sie die „Au pair“ (gemeint ist die Oper). Hilfe muß her: im riesengroßen Zauberbuch aktiviert sie Maria Bellacanta, staatlich geprüfte Hexe und Opernsängerin. Im Bademantel mit Haube steigt die Diva erbost aus dem dicken Wälzer. Beim Baden habe man sie gestört, Unverschämtheit!
Doch der Deal ist schnell gemacht: die Große erklärt der Kleinen die „Au pair“ und bekommt dafür die zweite Opernkarte. Vom Sopran bis zum Bass, von der Arie bis zu Mozarts Seufz-Gesang wird den kleinen Zuschauern die große Welt der Oper zu Füßen gelegt; dass Hillary den Koloratursopran zunächst mit „Klo-Reparatur-Sopran“ verwechselt, sorgte für großes Gekicher. Als dann aber Maria Bellacanta höchstpersönlich loslegte, mit starker Stimme die Arie der Königin der Nacht schmetterte, staunten nicht nur die Kleinen mit großen Augen und offenem Mund. Auftrag erledigt!
Irgendwo zwischen „Bibi Blocksberg“, „Harry Potter“ und „Adams Family“ ist Christiane Lutz´ „Hexe Hillary“ anzusiedeln, ein musikalisches Doku-Märchen mit magischen Reizen. Köstlich und komisch ihre Umsetzung, pädagogisch sicher wertvoll, wenngleich manchmal schwer zu überschauen. Unschlagbar das weibliche Darstellerduo: Lilian Mazbouh als Hillary mit Pippi Langstrumpf-Allüren; Sopranistin Cathrin Lange als erfahrene Maria Bellacanta mit strahlender Stimme, schönstem Belcanto. Eberhard Fritsche als vielarmiger Arturo: schwungvoll und gruselig.
Nach 80 Minuten tobte das Publikum – ein kurzweiliger Spaß für die ganze Familie mit kindgerechtem Doku Charakter!
Opern der Zukunft
Ein stringent gestalteter Abend, an dem sich alles um einen roten Schicksalsfaden und menschliche Ohnmacht angesichts übermächtiger Lebensbedingungen dreht. (..) Skurrile Szenen voll pechschwarzen Humors (...) starke Tanzbilder... Kronen Zeitung
Der öffentlich ausgetragene Krach zwischen dem Regieteam und den jungen Komponisten blieb diesmal aus. Bei der zweiten Auflage des von der Grazer Oper und der Grazer Musikuniversität gemeinsam realisierten Vorzeigeprojekts "Opern der Zukunft" gab es für ein derartiges Zerwürfnis keinen Anlass. Regisseurin Christiane Lutz gelang es nämlich mit ihrer Ausstatterin Natascha Fel, vier sehr unterschiedliche Kurzopern unter einen Hut zu bringen, sie mit einem Ariadnefaden zu verknüpfen, ohne ihnen Gewalt anzutun. (...) Ihre gekonnt gearbeitete Inszenierung, die zu etlichen kräftigen theatralischen Bildern fand, gab über das gemeinsame Grundthema, die Auseinandersetzung des Künstlers mit seinem Schicksal, bisweilen deutlicher Auskunft als die einzelnen Stücke selbst. Kleine Zeitung
Geflüster kommt in Hannes Kerschbaumers „Buio“ von den Rängen, verdichtet sich mitunter zum Chor (Einstudierung Gerd Kenda). Bläser-Interferenzen durchschneiden den Saal, in dessen Mitte ein Haufen Elender um den wimmernden Wilfried Zelinka seine Sprache verliert, während Katharina Wawrik als Geist umherirrt.
Diese erste Sequenz ist wohl die sperrigste des von Christiane Lutz (Regie) und Natascha Fel (Bühne, Kostüme) stringent gestalteten Abends, an dem sich alles um einen roten Schicksalsfaden und menschliche Ohnmacht angesichts übermächtiger Lebensbedingungen dreht. Mitglieder der KUG sowie der Philharmoniker bilden das ausgezeichnete Orchester, Darsteller und Sänger geben in diesem Programm alles.
In Ypatios Grigoriadis` „Der Organisator“ versinkt ein Buchhalter im nimmermüden Aktenkreislauf, spielen sich auf der Straße skurrile Szenen voll pechschwarzen Humors ab. Dieser Beitrag ist zugänglicher, nicht zuletzt dank der Einflechtung rhythmischer Module und eines wiederkehrenden Harfenmotivs.
Jugendlicher, aktueller präsentieren sich die Stücke nach der Pause, doch fehlt hier etwas die formale Konsequenz: die Musik wird zur Begleiterin für Sprech- und Tanztheater. Slobodan Kajkut lässt in „god bless god“ von schweren Riffs bis zu elektronischen Beats die popmusikalische Gegenwartskultur zu Wort kommen, schafft eine bedrohliche Kulisse für die Erzählung vom menschlichen Objekt, das durch sein Gehirn determiniert wird. Das Individuum erliegt schließlich der harten Analyse seiner selbst. Starke Tanzbilder, denen Misha Nikolaichuks „das vorübergehende“ verquirlte Textlichkeit a lá Heidegger folgen lässt, und diese in Klänge von Kunststoff und Donnerblech hüllt.
Der Gesang verstummtIn den "Opern der Zukunft" spielt der Gesang keine große Rolle mehr, wenn es nach Grazer Jung-Komponisten geht.Ernst Naredi-Rainer, Kleine Zeitung, 7. Juni 2009 |
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Der öffentlich ausgetragene Krach zwischen dem Regieteam und den jungen Komponisten blieb diesmal aus. Bei der zweiten Auflage des von der Grazer Oper und der Grazer Musikuniversität gemeinsam realisierten Vorzeigeprojekts "Opern der Zukunft" gab es für ein derartiges Zerwürfnis keinen Anlass. Regisseurin Christiane Lutz gelang es nämlich mit ihrer Ausstatterin Natascha Fel, vier sehr unterschiedliche Kurzopern unter einen Hut zu bringen, sie mit einem Ariadnefaden zu verknüpfen, ohne ihnen Gewalt anzutun. Ihre mit bescheidenen Mitteln gekonnt gearbeitete Inszenierung, die zu etlichen kräftigen theatralischen Bildern fand, gab über das gemeinsame Grundthema, die Auseinandersetzung des Künstlers mit seinem Schicksal, bisweilen deutlicher Auskunft als die einzelnen Stücke selbst. (…)
Alcina
... glaubwürdige und unterhaltsame Inszenierung der jungen Regisseurin. Bühne
...ein beachtliches Regiedebüt. Der Standard
Eine einfache, wirkungsvolle Bühne (Isabel Toccafondi) und eine klare Regie (Christiane Lutz) sind die „Zutaten“, die diese Produktion gelingen lassen (...) Überzeugungskraft gewinnt die Inszenierung durch Personenführung und phantasievolle Bilder sowie die Konzentration auf die Hauptfigur, die Lutz den großen Verliererinnen des Genres (Brünnhilde, Violetta usw.) an die Seite stellt. Kronen Zeitung
Christiane Lutz zieht ihr Konzept von der Entzauberung einer despotisch erotisierenden Diva durch Presse und Emanzipation unbeirrt und in der Personenführung zwingend durch (...) Kleine Zeitung
Barockopern haben es hierzulande nicht leicht: Sie sind in den Spielplänen
der großen heimischen Opernhäuser selten zu finden, stehen sie doch beim
Publikum in dem Ruf, inhaltlich verworren und musikalisch langatmig zu sein. Das
Grazer Opernhaus hat es im Dezember dennoch gewagt, eine Barockoper
herauszubringen. Hier ging man das Problem von der Maschekseite an und ist damit
sehr gut gefahren (…) Der erste Kapellmeister des Hauses, Dirk Kaftan, hat aus
dem Grazer Philharmonischen Orchester eine kleine Schar ausgewählt und mir einer
fast kammermusikalischen Besetzung erstaunlich stilsicher, mit Mut zu starken
Akzenten ganze Arbeit geleistet. (…) Die Zauberin, die laut Ariosts Ritterepos
die Männer reihenweise verführt und nach dem Gebrauch in Tiere verwandelt, ist
in Graz eine Primadonna, der alle zu Füßen liegen. Das ist ein brauchbarer
Ansatz, mit dessen Hilfe sich das Spiel – sehr nahe am Publikum unverkrampft
entwickeln kann. Und eine gute Prise Slapstick-Komik schadet auch nicht: Denn im
Handlungsablauf dieser Barockoper ist jede Psycho-Logik außer Kraft gesetzt. Die
im Programmheft formulierte Erkenntnis, dass Händel in seinen Opern primär
seelische Vorgänge schildert, bei denen die Umstände, die sie hervorrufen eher
im Hintergrund bleiben, ist ein guter Einstieg zur glaubwürdigen und
unterhaltsamen Inszenierung der jungen Regisseurin.
(…) Hyon Lee, seit einigen Jahren im Ensemble des Grazer Opernhauses, bietet
hier eine erstaunlich reife Leistung, ist hysterische Primadonna mit technischer
Bravour und in ihren Koloraturen und verletzte Liebende mit dem hohen Pathos
einer Diva, die mit einem warmen, betörenden Timbre die ausschwingenden
Kantilenen gestaltet. Da ist eine Sängerin herangereift, deren Namen man sich
merken muß. Neben ihr, der verzaubernden Operndiva, ist vor allem der junge Ivan
Orescanin als Ruggiero ein vielversprechender Bariton des Opernstudios und auch
das übrige Ensemble hält wacker und spielfreudig mit.
Gegurgeltes im AffektHändels "Alcina" auf der Studiobühne der Grazer Oper(stal) DER STANDARD, 11.12.2007 |
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Am Ende, wenn aller Zauber gebrochen ist und die amourösen Verstrickungen aufgelöst sind, hat sich eine anfänglich idyllisch anmutende Komödie in ihr tragisches Gegenteil verkehrt. Zurück bleibt eine gebrochene "Heldin" - Alcina. Zuvor viel barockes Ränkespiel um Begehrlichkeiten, Liebe und Rache. Alle gurgeln unablässig davon, und Händel hat seinen sechs Protagonisten hierfür mörderisch schwere Da-Capo-Arien geschrieben. Christiane Lutz liefert hier ein beachtliches Regiedebüt. Angesichts der No-Budget-Situation hinsichtlich Ausstattung und Bühnentechnik ist sie angehalten, mit kargen Versatzstücken und vagen Andeutungen zu zaubern. Und ihr Einfall, aus Alcina eine Primadonna zu machen, deren Gesang alle Gestrandeten verzaubert, hat seinen Reiz und geht auch dramaturgisch auf. Dirk Kaftan und die kammerorchestral besetzten Grazer Philharmoniker sind gut aufeinander eingespielt und verleihen der an Affekten überreichen Partitur ihre nötige Frische und sogar etwas von spätbarockem Glanz. Hyon Lee erfüllt die Titelrolle mit souveräner Technik und ergreifendem Ausdruck. Vokale Glanzlichter setzen auch Ivan Orescanin als Ruggiero und Martin Fournier als Oronte...
Natürlich, samt Chor, Ballett und Theaterpomp wäre „Alcina“ hochwillkommen. Doch auch so geht´s: Auf Kammerorchester-Größe geschrumpfte Philharmoniker, ein ohne Gäste auskommendes Ensemble, eine einfache, wirkungsvolle Bühne (Isabel Toccafondi) und eine klare Regie (Christiane Lutz) sind die „Zutaten“, die diese Produktion gelingen lassen. Die Oper um die Zauberin Alcina, die ihre abgelegten Liebhaber in Steine und wilde Tiere verwandelt, ist ein Meisterwerk des 18.Jahrhunderts: Wie auf eine Perlenschnur fädelt Händel die Da-Capo-Arien aneinander, bevor der Musikdramatiker mit den Szenen der Titelfigur und den Ausflügen ins Liedhafte (etwa das „Verdi prati“ des Ruggiero) seine Sprache erweitert und das Drama immer wieder neu koloriert und verdichtet. Die Regie macht aus Alcina eine Diva, einen Theaterstar, um ihre Zauberkraft zu erklären. Ein netter Einfall, nicht mehr. Überzeugungskraft gewinnt die Inszenierung eher durch Personenführung und phantasievolle Bilder sowie die Konzentration auf die Hauptfigur, die Lutz den großen Verliererinnen des Genres (Brünnhilde, Violetta usw.) an die Seite stellt. Hyon Lee bewältigt als Alcina nicht nur die technischen Anforderungen am besten, die reißt den Abend mit enormer vokaler Überzeugungskraft an sich. Gut, lyrisch singt Bariton Ivan Orescanin die ursprüngliche Kastratenpartie Ruggiero. Jutta Panzenböck fehlt Agilität, die entschädigt mit dramatischem n Reserven. Die quirlige Irene Mattausch, der stilsichere Martin Fournier, die souveräne Dorit Machatsch und der schlank singende David McShane gehören mit zum starken Ensemble. Dass die Musik erst eintönig klingt, daran hat die staubtrockene, ja ungeeignete Akustik nicht das Orchester schuld. Dirigent Dirk Kaftan vergattert die Musiker zu variantenreichem, dynamisch strukturiertem Spiel.
Platz für Wunder ist auf der kleinsten BühneHändels „Alcina“ in überzeugender ProduktionHansjörg Spiess, Kleine Zeitung, 10. Dezember 2007 |
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Skepsis war geboten. Eine der kompliziertesten Oper von Georg Friedrich Händel, „Alcina“ (1735), als Studio-Aufführung mit Jung-Sängern auf der Studio-Arenabühne Girardigasse, konnte dies gelingen? Erst 1980 erstmals in der Grazer Oper als Staatsaktion höchst ästhetischer aufklärerischer Werkdeutung von Harry Kupfer und Wolfgang Rot auf der großen Bühne realisiert, zwängte sich nun die zur Operndivengarderobe geschrumpfte Zauberinsel (dahinter das Orchester) zwischen Laufsteg und Publikum. Christiane Lutz zieht ihr Konzept von der Entzauberung einer despotisch erotisierenden Diva durch Presse und Emanzipation unbeirrt und in der Personenführung zwingend durch, auch wenn dabei die humanistische Welttheaterdimension Händels verkleinert wird. Musikalisch geht Dirk Kaftans Wagnis mit kleiner Besetzung, Barockhörnern und dem exzellenten Basso continuo-Trio Catherine McShane (Cembalo), Bernhard Vogl (Cello) und Simon Jäger (Kontrabass) in energischem Drive auf. Hyon Lee liegen die Koloraturen der Alcina gut. Jutta Panzenböck als Bradamante und Irene Mattausch als Morgana müssen noch Geläufigkeit gewinnen. Vielversprechend als Bariton-Ruggiero: Ivan Orescanin. Stilsicher David McShane als Melisso und Martin Fournier als Oronte.
Galathee
Eine sympathisch zeitgemäße Inszenierung... Märkische Allgemeine
Wiener Charme am märkischen GrienerickseeWie Suppés Schöne Galathee in der Kammeroper Schloss Rheinsberg den Männern den Kopf verdrehtVon Ruth Eberhardt (Märkische Allgemeine) 17.07.2006 |
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Mit diesem amüsanten kleinen Werk -einer seiner besten Bühnenschöpfungen- ging Suppé als Begründer der Wiener Operette in die Musikgeschichte ein. Sie ist, auch in der parodistischen Behandlung antiker Gestalten, bis heute lebendig. Das erwies sich in der sympathisch zeitgemäßen Inszenierung von Christiane Lutz, dem dazu passenden Bühnenbild und den geschmackvollen Kostümen von Ute Noack.
Für die stimmige musikalische Umsetzung sorgte als musikalischer Leiter Pawel Poplawski am Klavier gemeinsam mit den sängerisch wie darstellerisch engagiert agierenden Solisten. Neben der polnischen Sopranistin Agnieszka Adamczak in der Titelpartie agierte der Berliner Tenor David Ameln als Bildhauer Pygmalion, die aus Frankfurt/Oder stammende Altistin Elzbeta Laabs als pfiffiger Diener Pymalion und der aus Erlangen stammende Bariton Christian Ebersberger.
Mit Blick auf den Grienericksee vollzieht sich auf der aus ineinander geschachtelten Vierecken bestehenden Bühne, wo sich hinter weißen Vorhängen Personen und Requisiten verbergen, das heitere Spektakel. (…)
Das 75 Minuten währende kleine musikalische Wunder faszinierte. Es rauschte wie im Fluge vorbei. Das Publikum reagierte mit herzlichem Beifall. Die folgenden Vorstellungen sollte man sich nicht entgehen lassen.
Ariodante
Jetzt hat ein Team der Musikuni Wien "Ariodante" auf die Bühne des Reinhardtseminars gebracht - mit einer Professionalität, die man sich bei vielen Festwochen-Opern wünschen würde: Stimmlich auf durchgehend hohem Niveau, in einer Inszenierung (Christiane Lutz), die ohne Mätzchen, dafür mit straffer Personenführung von der ersten bis zur letzten Minute Spannung aufbaut, mit einem originellen Bühnenbild (Alexandre Collon) und wundervollen Kostümen (Hanna Adlaoui-Mayerl). Die Presse
Regisseurin Christiane Lutz meistert die schwierige Aufgabe eine Händel-Oper zu inszenieren mit Bravour. Sie kennt sowohl das Libretto als auch die Musik in und auswendig, inszeniert stets im Sinne der Musik, mit viel Gespür für witzige Details. Lebhaft und farbenfroh ist diese Inszenierung. Barockes Illusionstheater mischt sich mit Pop Art, und Kostüme der Fünfziger mit Herrschaftssymbolen wie Königsmantel oder Uniform (Bühne: Alexandre Collon, Kostüme: Hanna Adlaouih-Mayerl). (...) Ein gelungener Abend. Wiener Zeitung
Aus barocker SeeleWien-Premiere. Händels "Ariodante" auf hohem Niveau.Von Daniela Tomasovsky (Die Presse, Wien) 16.04.2005 |
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Am 8. Jänner 1734 wurde erstmals eine Oper von Georg Friedrich Händel am Royal Opera House in Covent Garden gespielt. "Ariodante" hieß sie - und wurde ein voller Publikumserfolg. Bald darauf fiel das Werk in einen 200-jährigen Dornröschenschlaf. Erst ab 1927 erlebte es eine Renaissance, wurde in Stuttgart gespielt, an der Berliner Staatsoper, beim Salzburger Pfingstfestival. In Wien war die opera seria, die auf demselben Stoff beruht wie Shakespeares "Viel Lärm um nichts" (auf "Orlando furioso" von Ariosto), noch nie zu sehen.
Jetzt hat ein Team der Musikuni Wien "Ariodante" auf die Bühne des Reinhardtseminars gebracht - mit einer Professionalität, die man sich bei vielen Festwochen-Opern wünschen würde: Stimmlich auf durchgehend hohem Niveau, in einer Inszenierung (Christiane Lutz), die ohne Mätzchen, dafür mit straffer Personenführung von der ersten bis zur letzten Minute Spannung aufbaut, mit einem originellen Bühnenbild (Alexandre Collon) und wundervollen Kostümen (Hanna Adlaoui-Mayerl). Das Orchester (Handel Consort Vienna) unter der Leitung von Ewald Donhoffer spielt auf historischen Instrumenten, sprühend, musikantisch, nur manchmal etwas zu ungestüm (auf Kosten der Sänger).
Der Inhalt der Oper ist schnell erzählt: Die Königstochter Ginevra wird Ariodante versprochen, der durchtriebene Herzog Polinesso inszeniert vor Ariodantes Augen ein Stelldichein mit Dalinda, die Ginevras Kleider trägt. Es folgt ein großes Durcheinander, der König erfährt von der vermeintlichen Untreue seiner Tochter, will sie bestrafen. Kurz bevor sich Ginevra umbringt, wird der Schwindel aufgeklärt, die Hochzeit findet nun doch statt. Bei all dem steht die seelische Entwicklung der Königstochter im Vordergrund, über deren Kopf, über deren Gefühle ständig hinwegentschieden und hinweggegangen wird - nicht nur vom Vater, auch vom Geliebten.
Die Musik selbst schildert diesen emotionalen Wandel: Im Duett zwischen Ginevra und Ariodante herrscht zu Beginn parallel geführte Terzen- und Sextenseligkeit, zum Schluss kontrastierende Kontrapunktik.
Unter den Sängern ist Eva Maria Riedl (Ariodante) der Star des Abends: Die junge Mezzosopranistin glänzte durch ihr Volumen, ihre Intonationssicherheit, ihr warmes Timbre, ihre Bühnenpräsenz. Sehr souverän auch Sopranistin Berit Barfred-Jensen (Ginevra) und Countertenor Alexander J. Mayr (Polinesso). Nicola Proksch (Dalinda), darstellerisch hervorragend, kämpft manchmal mit Unsauberkeiten, Daniel Johannsen (Lurciano) bisweilen mit seinem Volumen. Valmar Saars (König) Bass ist etwas kehlig.
Die Gesichter Schottlands
Musik-Uni: Händels „Ariodante“, ErstaufführungVon Marie-Luise von Baumbach (Wiener Zeitung) 14.04.2005 |
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Kaum zu glauben, aber es gibt Opern, die sogar in Wien noch nie zur Aufführung gelangten. Mit einer - leicht gekürzten - Version von Händels später oper seria „Ariodante“ (1735) stellten die Absolventen der Universität für Musik und darstellende Kunst ihr Talent unter Beweis.
Wie die zwei kleinen Löwen auf den Amphoren des Bühnenbildes sind diese Jugendlichen: Ginevra, Tochter des Königs von Schottland und Ariodante, ihr Verlobter. Doch am Fuße der Amphore lauert schon die Schlange in Form des intriganten Polinesso. Der will Thron und Königstochter. Am Ende stirbt Polinesso und die beiden jungen Verliebten heiraten. So weit, so gut.
Regisseurin Christiane Lutz meistert die schwierige Aufgabe eine Händel-Oper zu inszenieren mit Bravour. Sie kennt sowohl das Libretto als auch die Musik in und auswendig, inszeniert stets im Sinne der Musik, mit viel Gespür für witzige Details. Lebhaft und farbenfroh ist diese Inszenierung. Barockes Illusionstheater mischt sich mit Pop Art, und Kostüme der Fünfziger mit Herrschaftssymbolen wie Königsmantel oder Uniform (Bühne: Alexandre Collon, Kostüme: Hanna Adlaouih-Mayerl).
Und die Sänger? Eva-Maria Riedl (Ariodante) besitzt eine schöne Mittellage, die besonders in den Rezitativen gut zur Geltung kommt. Schön mischt sich ihre Stimme mit der Berit Barfred-Jensens, die leicht und mühelos ihre Koloraturen meistert, deren Stimme aber erst in der Höhe wirklich voll wird. Die Rolle der Dalinda, Ginevras Freundin, wurde von Nikola Proksch mit klarem Sopran gesungen. Den schmierigen, geschniegelten Polinesso verkörpert Countertenor Alexander Josef Mayr mit großer Darstellungskraft, wechselt aber häufig die Stimmfarbe und muss auf seine Intonation gut aufpassen. The Haendel Consort Vienna unter Ewald Donhoffer spielte auf historischen Instrumenten tänzerisch und gut balanciert.
Ein gelungener Abend.






